Albergue-Bericht Dezember 2015 Sr Sawatzki

Liebe sehr geehrte Frau Deinböck!

 

Liebe Freunde in Ampfing und Umgebung!

 

Endlich kann ich Ihnen heute die Unterlagen des Jahres 2015 zukommen lassen. Bitte verzeihen Sie meine Verspätung, aber ich war durch einige Unabwägbarkeiten ziemlich gehandicapt.

 

So sage ich Ihnen noch einmal ganz herzlichen Dank für Ihre grossherzige jährliche Unterstützung, 

 

im vergangenen Jahr mit 7000,oo  Euros und heuer im Januar mit 3000,00 Euros, die uns über  Missio München im Februar erreichten; ohne diese Ihre Spenden  wäre für  uns die Betreuung der uns anvertrauten Kinder sehr, sehr schwierig.

 

So empfehlen wir uns auch weiterhin Eurer Güte!

 

Zur Zeit ist unsere Albergue vollauf belegt  und einige Kinder stehen sogar noch auf der Warteliste.

 

Wünsche Ihnen, Ihrer Familie und allen unseren  Freunden und Gönnern alles Gute, alle Gnaden unseres Herrn Jesus Christus auf dem zu einem Christus-frohen Ostern!

 

Ihr dankbarer

 

P. Otto Strauss

Benefiz-Bowling-Turnier Nr. 2

Camargo: Aktuelle Eindrücke von unserem Mitglied Julia

Liebe Evi,

vielleicht wartest du schon gespannt auf Neuigkeiten aus Camargo und wie versprochen werde ich -und zudem im Auftrag von Padre Otto, der mich gerade eben zu seiner persönlichen Sekretärin ernannt hat (welch Ehre!:) )– versuchen, dir ein kleines Update – sozusagen „Live aus Camargo!“ - zu kommen zu lassen.

Ich bin rundum zufrieden hier in Camargo und herzlich von allen Seiten aufgenommen worden. Ich wohne oben in der Clinic, im Nebengebäude mit ein paar Chicas, die der Köchin Angelika und den Schwestern zur Hand gehen und habe einen herrlichen Ausblick auf die weißgetünchte Kirche mit dem Plamen- Rosengarten davor; dahinter erheben sich die roten Gebirgszüge der Anden…. Sicher erinnerst du dich – wie im Märchen, in einer anderen Welt, fern ab vom bayrischen Gäu J. Schwester Marina freut sich ,glaub ich wirklich, dass ich da bin und bei einem Gläschen Wein von Hugo´s Bodega, dem Leiter des Internats (you remember?) hat sie mir ein bisschen ihr Herz ausgeschüttet, was die Klinik betrifft. Momentan ist ziemlich unklar, wie es mit der Klinik weitergeht: Vor ab wurden bis jetzt bereits alle Mitarbeiter informiert, dass ihr Arbeitsvertrag bis zum Jahresende hin ausläuft und Umstrukturierungsmaßnahmen im nächsten Jahr auf jeden Fall erforderlich sind. Noch weiß keiner, was das genau für die Glaubens- wie Krankenschwestern hier bedeutet. Soweit ich informiert bin, will die Belegschaft der Klinik gerne dort weiterarbeiten, vor allem Marina, aber die Leitung der Heiligen Familie in München will sich aus der Arbeit in der Klinik mehr und mehr zurückziehen, was darauf hindeutet, dass die administrative Leitung wohl nicht in den Händen der Schwesternschaft bleibt. Ein Problem ist der fehlende Nachwuchs, es gibt keine Schwestern, die mit Sw. Marina gemeinsam die Klinik leiten könnten und zudem sieht die Schwesternschaft ihre Hauptaufgabe nicht im Engagement im medizinischen Bereich. Marina ist darüber sehr bestürzt, aber so einfach lässt sich da nichts ändern und Padre Otto glaubt, dass die Leitung in München wahrscheinlich schon ein anderes Aufgabenfeld für Marina in der Tasche hat. Ein anderes Problemfeld der Klinik sind die Finanzen: Rund die Hälfte der Einnahmen der Klinik (50.000 Euro) zur Deckung der Kosten stammen aus Spendengeldern; die andere Hälfte kommt von den Beiträgen der Kranken. Daher soll in Zukunft der Anteil an Spendengelder zur Finanzierung der Klinik weiter gedrosselt werden, was aber heißt, dass andere Finanzquellen gefunden werden müssen – bisher jedoch ohne Erfolg. Auf staatliche Unterstützung zu setzen wäre eine weitere Variante, wäre aber mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden und einem gewissen Abhhängigkeitspotential, zumal die derzeitige politische Entwicklung keine wohlgesonnene Haltung bezüglich sozial –kirchlichem Engagement erhoffen lässt. Evo Morales Einstellung bezüglich Meinungs- und Glaubensfreiheit steht paradoxerweise ziemlich im Gegensatz zu dem Grundgedanken eines demokratischen bolivianischen Vielvölkerstaats. Die politische Lage in Bolivien ist alles andere als stabil, im Anhang findest du ein paar Pressemeldungen. Evo Morales erweist sich immer mehr als rücksichtsloser chauvinistischer Diktator, der unter dem Deckmantel demokratischem Bürokratismus seine eigenen Interessen selbst auf Kosten seiner „Mitgenossen“ durchsetzt. Wer einst so gut begann – schließlich verhieß der erste Staatspräsident aus der Mitte der Aymara Chancengleichheit für alle Bevölkerungsschichten, ist letztendlich Machtsucht und Korruption zum Opfer gefallen. Traurig, aber wahr. Dennoch vermuten die Padres, dass der gute Evo, man kann sogar Briefmarken von ihm erwerben – wie vermessen!! – so an die 20 Jahre an der Macht bleibt. Trotz seines Zugeständnisses, dass er heute bzgl. einer Straße, die direkt durch ein Naturschutzreservae gebaut werden sollte und 3 monatige Protestmärsche 1000der Indigenos zur Folge hatte, sitzt er fest im Sattel und versteht es geschickt, sich Wählerstimmen durch gewisse Privilegien der einzelnen Bevölkerungsgruppen zu sichern.

Gestern hab ich das Internat besucht, das von Hugo, der zudem der Eigentümer der Santa Lucia Bodega ist (5000 Flaschen pro Jahr) – der Wein und Singani schmeckt vorzüglich, wenn auch die Weinprobe bei der heißen Mittagssonne auf nüchternem Magen einige befremdliche Schrittfolgen nach sich gezogen hat J, geleitet wird . Im Moment sind dort 102 SchülerInnen der umliegenden Schulen untergebracht ,vom Campo, die dann teilweise am Wochenende zu ihren Familien zurückkehren oder das ganze Jahr im Internat sind, weil die Entfernungen zu ihren Heimatorten einfach zu groß sind. Padre Otto plant über „Vorwärts“, eine Initiative, die für Abiturienten ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland organisiert, die Mitarbeit für junge Erwachsene im Internat zu ermöglichen. Das Waisenhaus Albergue hab ich bis jetzt noch nicht besucht . Aber im Anhang findest du einige akutelle Informationen.

Ich genieße jeden Tag die gute Küche der Barrocia unc Klinik in vollen Zügen, vor allen Dingen eine gute Tasse Kaffee und ein paar Scheiben selbstgebackenes Brot deutscher Art sind am Nachmittag unwiderstehlich. Neben Schwester Marina läuft mir Schwester Florentina öfters über den Weg und in der Barrocia treffe ich immer zu den Essenszeiten natürlich die Padres Otto, Erwin und Leonardo an.

Camargo ist ein wahrhaft wunderbarer Ort, um ein Paar Wochen Sabbath zu halten, über Gott und die Welt nachzudenken, die Zukunft und die Vergangenheit, einfach auszuruhen, die wunderschöne Landschaft und die fröhlichen, unbekümmerten Bolivianos auf sich wirken zu lassen. Let´s relax! Calm dooooowwwnnn! Die Schule, auf die ich direkt von meinem Zimmer aus herunterblicken kann, übersehe ich beflissentlich J.

 

Viele herzliche Grüße aus Bolivien, auch von Padre Otto! Jul.

 

PS Padre Otto hat dir eh schon vor ein paar Tagen extra geschrieben, oder?



Nachrichten aus dem Waisenhaus Camargo